Montag, 12. Dezember 2016

Die Zirkulation des Todes

Hin & Her
Hin & Her
am Anfang war mir davon übel
inzwischen jetzt nicht mehr so sehr

Von Weitem sehe ich noch ganz gut aus,
schwarz und weiß gestreift
von Nahem sieht man all die Narben,
wieder und wider ausgepeitscht

Außer ich stelle mich auf zwei Hufen
wie ein Mensch, und führe vor
Hin & Her und Hin & Her
zurück zum Käfig durch ein Tor

Als ich noch ein Fohlen war,
war "die Savanne" meine Heimat!
 - so hieß der Zirkus meiner Eltern,
da tanzten Menschen hoch auf Seildraht.

Hin & Her
so ging es dann in einem Kasten,
über jahrelange Straßen
und stundenlanges Fasten

Von Stadt zu Stadt
und doch sah man nichts Neues
nur den Transporter, nur von innen
ist ein Tier gezähmt, ist es ein Treues.

Wenn man da so steht
und die Gelenke sind noch jung
da sagte meine Mutter mir,
nur Bewegung hält dich in Schwung

Und begann ich einmal leicht zu schwanken
Hin & Her
ist es fast das gleiche, wie kilometerlang zu laufen
und irgendwann da fällt es nicht mehr schwer

Da geht es dann schnell wie von selbst,
man schwankt und schaukelt so wie alle Andren auch
und man ernährt sich jeden Tag von braunem Wasser
und hat kaum einen Bissen im Bauch.

Doch nunja,
da war ich noch ein Kind
Es ging nur Hin & Her bis zu dem Tag,
an dem wir alt genug für die Manege sind.

Gemeinsam mit einem Bär,
einem Pudel und einer Lama-Dame
wurde ich verkauft und dann verschnürt,
war fast gemütlich in der alten Flugzeugplane.

Mit einem Messer wurden grob die Fesseln geschnitten
dabei hatten sie mich leicht verletzt
wurden wir zum Tanzen und für Devisen
in eine andere Stadt versetzt.

Dann tanzen, gut ok
brecht mir nur bitte nicht nochmal die Beine
wie soll ich denn sonst Stücke vorführen?
Und kauft mir doch 'ne neue Leine

Diese kratzt und sticht am Hals
und reibt mich hier wund.
Achso, ihr überschminkt das einfach
wie diesen halbtoten Hund...

Draußen stehen sogar Leute mit grünen Schildern
wollen mich zurück in die Savanne bringen
was die aber meinen, kenne ich gar nicht,
als wenn die Zebras dort in fremden Sprachen singen.

Die Savanne oder "die Savanne"?
Beides für mich nicht geeignet,
ich kann nur tanzen, nicht mal grasen
Ich bin vom Leben unbunt gezeichnet.

Hin & Her
und Hin & Her
Wie lange muss ich noch den frechen Kindern
diese Unnatürlichkeiten zeigen?

Hin & Her und Hin & Her
nervt langsam beim Lesen, oder?
Es wird mein ganzes
kurzes Leben lang so bleiben.

Mittwoch, 23. November 2016

Atlas, Halt Mal

Mein Rucksack, voll mit 'ner Ladung
Schuld und auch Sühne,
Manchmal fehlt einem der Text im Alltag
Und auf des Lebens Bühne.

Doch der Zufall und das Schicksal,
Packen da viel mehr noch rein,
Und bevor mir ne Bandscheibe noch vorfällt,
Bevor ich breche von der Last  noch  ein:

Atlas, halt mal,
Auf deinem Rücken ist doch Platz,
Komm Atlas, nimm mal,
Du bist doch sonst so ein Schatz.

Und er legt es echt auf seinen Nacken,
Er fällt schon wieder darauf rein,
Der Sündenbock hat wunden Rücken,
Doch mein Problem soll's nicht mehr sein.

Atlas, komm halt durch!
Ich nehm' die Last auch gern zurück,
Aber spinnst du? Doch nicht gleich alles auf einmal.
Immer nur so Stück für Stück.

Warum schaust du so versteinert?
Du hast schon Falten wie Gebirge,
Du kannst dir ruhig sicher sein,
Dass ich auch gern für dich mal bürge.

Doch nun heißt es, zu regeln, was zu regeln ist,
Die Schwerelosigkeit neu zu genießen,
Sich etwas aufbinden zu lassen
Und neue Verträge abzuschließen.

Und was passiert Ende?
Es packen mich 2 von-der-Last-beschwielte Hände,
Und reißen mich unter die Altlast alter Tage,
Es zu ertragen oder zu versagen ist die Frage...


Donnerstag, 11. August 2016

...Ihm geFels in der Brandung

Sprichwörtlich, ja das ist so ne Sache
Wie schnell man mich als Bild verwendet,
Nur weil irgendjemand kurz was aushält,
sich in Routine verliert oder lange etwas nicht beendet,
Dabei kommt das alles nicht mal in die Nähe
ihr kommt nicht mal nah ran an meine Leistung.

Ich nehme jede Welle mit,
länger als ein Menschenleben dauert
und das Meer das frisst an mir,
und dann werde ich zu Sand,
auf den schon die nächste Touri-Bande lauert.

Kaum 1,2 Sekunden habe ich zum Atmen,
dann schlägt die Nächste Welle ein,
von all dem Treiben hab ich in den Gelenken schon die Gicht,
nur nachts hab ich mal etwas Ruhe, denn das Meer ist fasziniert vom Mondeslicht.

Von mir aus springen einige ins Blau,
sie schnorcheln nach dem bunten Leben,
das soll es überall angeblich
reichlich unter Wasser geben.

Doch ich weiß es besser,
ich, weil ich meine Aufgabe hier schon seit Jahrzehnten erfüll
schnorcheln auf dem blau'n Planeten macht kein' Sinn mehr,
in den Meeren hier gibts nur noch Müll.







-- Vermindert eure Plastebeutel, Schweinebacken!



Mittwoch, 10. August 2016

Der Rügenwälder Samurai




Schau genau hin, 
das sind nicht irgendwelche Kritzeleien, 
das sind Bilder meiner Heldentaten 
an den Wänden


Und die Zeiten sind noch lange,
noch lange nicht vorbei,
ich wasche mir auch heute noch das Blut
meiner Feinde von den Händen
Jede Nacht brennt eine Fackel 
draußen, da an meinem Hain.
Sie grüßt die Vorfahren, soll das Böse warnen, 
und führt die Freunde wie ein Leuchtturm heim


Und ich, ich sitze am Feuer
starre in die Flammen und in die Gedanken,
weil sich um meine Klinge mittlerweile
teilweise sogar wahre Legenden ranken


Und doch bin ich nicht unfehlbar, 
einen Gegner hab' ich nie besiegt
Er raubte mir die letzten Jahre
Es spielte immer wieder nur das selbe Lied

Kein Schmied kann mir helfen, 
Kein Meister kann mir sagen, wie es geht, 
Ich ziehe ins Feld, allein, doch wieder und wieder.
Ich will sie zu Fall bringen, doch die Windmühle die steht


Freitag, 12. Februar 2016

Giggolo

Er hatte schon immer ein Händchen dafür
auf sich aufmerksam zu machen.
Er war keiner von denen, die nur Tränen sammeln,
er brachte jedes Mädchen schnell zum Lachen.

Nur konnte er nicht unbedingt
von sich behaupten,
die "Eine Richtige" für sich zu finden,
obwohl es andersrum die Frauen meistens glaubten.

Er verliebte sich zum Beispiel in ein Mädchen,
das nicht wie alle Andren war,
Sie war so süß, oh mann,
sie wurde niedlicher mit jedem Jahr

Sie trafen sich schon ein paar Wochen
und hatten nie ein böses Wort gesprochen,
Doch als er einst im feinsten Zwirn an einer Straßenecke stand,
und auf sie wartete mit einem Strauß Blumen in der Hand,

da fing es an zu regnen,
es prasselte nur so hernieder,
Da sah er sein süßes Mädchen wieder.

Gerade als er seine Zigarette mit dem Schuh austrat,
ließ er die Blumen fallen,
weil er so erschrak.

Das süße Mädchen
löste sich im Regen,
so wie wenn Kinder Zucker
in die Tasse geben.

Vor seinen Augen verschwand sie
Stück für Stück,
So süß war sie,
verrückt.

Beim zweiten Mal,
da war das Mädchen schön,
so etwas hatte die Welt
noch nicht gesehen.

Als er sie entdeckte,
war er sofort verfallen
Es war für ihn wiedermal ein Leichtes
sich sie zu krallen.

Doch diesmal war er achtsam,
nicht, dass ihm das Gleiche widerfährt!
Also wartete er auf den Regen,
So hätte er es von Beginn geklärt...

Doch so schön wie sie war,
der Regen war auch ihre Gefahr.
Er spülte all das Make-Up von ihren Wangen,
und zerstörte ihr das Haar.

Da versteckte sie sich,
vor fremden Blicken und vor ihm.
Merkte nicht, dass er es schön fand,
wie doch der Mond auf sie schien.

Doch eigentlich, jetzt war er sich sicher,
konnte es diese Dame nicht wirklich sein,
für alle war sie zwar die Allerschönste,
doch für ihn war es nur Schein.

Als er später einen Laden dann betrat,
um sich zu trocknen und zu warten,
kaufte eine nette Dame
an der Kasse Karten.

Bilder von lokalen Sehenswürdigkeiten,
hatte sie nach dem Bezahlen in der Hand,
dabei war sie selbst sehr sehenswürdig,
wie er fand.

Doch bevor er sie ansprach,
um sich vorzustellen,
hielt er inne -
Und schaute draußen auf die Regenrinne.

Die war schon am Überlaufen,
voller regnerischem Niederschlag,
Das Mädchen öffnete die Tür
und wünschte allen einen schönen Tag.

Er klemmte sich ans Fenster
und schaute hinterher,
ob auch ihr Gesicht sich zeigen wird?
Er atmete schon schwer.

Doch bevor er sie entdeckte draußen,
ist er ein bisschen erschrocken,
denn die Tür öffnete sich erneut
und sie trat ein, noch trocken.

Sie lächelte und fragte den Verkäufer etwas,
der nickte und griff unter den Tresen,
sie kaufte einen Schirm und ging,
das war es einfach schon gewesen.

Er blickte kurz und war gelähmt,
dann rannte er aus dem Geschäft,
wäre er ein Hund gewesen,
hätte er ihr hinterhergekläfft.

Aber nein, er tippte sie an, sie drehte sich um,
trug an dem Arm ein Bändchen,
und falls ihr wissen wollt, wie es nun weitergeht...

Hab doch gesagt, er hat dafür ein Händchen ;)