Mittwoch, 18. Februar 2015

Hochwege

Wie lange er da schon gefahren ist
Ist hier draußen schwer zu schätzen
Nur um von Zuhause wegzukommen
Wollte er sich in sein Auto setzen

Dass er kein Ziel hat,
In dieser Gegend noch nie war -
War ihm selbst, dann wirklich erst ein paar
Stunden später, als die Sonne aufging, klar

Wutentbrannt nach einem Streit,
Und mitten in der Nacht
War er einfach losgefahren
Hatte schon öfter solche Aktionen gebracht

Und wie die Sonne dann aufging,
Die Jacke, die er die ganze Nacht trug, bis jetzt
Warf er auf den Lederrücksitz
So schnell, so heiß - hätte er es niemals eingeschätzt

Wasser, Mensch, Wasser
Hätte er doch bloß ne Flasche eingesteckt
Na wenigstens ist der Tank noch voll,
Die Karre ist schon oft genug verreckt

Den Weg kann er schon meilenweit voraussehen
Die Sonne sticht so dermaßen heiß
Hier kann man unmöglich zu Fuß gehen

Und doch... am Straßenrand, am Horizont
Da bildet sich hinter diesem Hitzenebel
Ein Profil, ein weibliches.
Er wird unsicher, zerkaut die Fingernägel

Sie hält zum Zeichen raus den Daumen
Er wischt sich mit dem Arm über die Stirn
Als sie endlich zu ihm in einsteigt
Kann er nur leise ihre Stimme hören:

"Bitte", sagt sie, "nimm mich irgendwo hin mit.
Ich bin dahinten einfach steh'n geblieben.
Brauche nur ein Telefon, Empfang,
Und später für mein Auto Sprit."

Er: "Geht klar,
Das tut mir Leid.
Ich suche auch schon, keine Ahnung
wo man hier zum Schlafen bleibt."

Leichter Stoner-Rock fegt den beiden 
durch das Radio und um die Ohren
Bei dem Lied, das grad im Radio läuft, 
hatte er abends noch gefroren.

Doch heute, ohne Flüssigkeit 
und bei dieser monotonen Fahrt
Dreht sie am Knopf, schaltet es aus
erklärt ihm dass es Treibstoff spart.

Er fährt gerade Schnell genug, 

um am Fenster im Fahrtwind abzukühlen
So mit der Zeit und in Gesellschaft, 
fing er an sich wohl zu fühlen...

Ausgerechnet! - Sagt man so,
Dabei war es eigentlich willkürlich -
Fing es gerade an zu regnen
Er erfuhr später, dass sei hier abends so natürlich

Als sie kurz darauf an eine Raststätte kamen, 
mit Motel und Tanke und allem drum und drann, 
Durstig und Ausgetrocknet, vielleicht mit 
einem Sonnenstich kam er dort an

Dann lief er langsam, 
rannte nicht wie sonst, wenn es in Massen auf den Körper tropft
Zum Ladenbesitzer hin, der nicht zu Gegend war, 
Es ist hier üblich, dass man klopft.

Als dieser dann kam, bestellte unser durchnässter Kerl

Ein paar Flaschen Wasser, eine Decke, 
"Den Schlüssel für's WC, für meine Freundin dort"
Er zeigte raus, doch den Wirt kümmerte das  keine Blicke.

Als er zurück lief, 

Streckte er den Kopf nur durch das offene Fenster
und nickte Richtung Haus, 
Doch sie verschränkte schützend ihre Arme, schüttelte den Kopf, 
sie sah richtig ängstlich aus. 

"Ach komm dir wird schon nichts passieren"

Er lief ums Auto und öffnete die Tür.
Er nahm sie an der Hand, der Regen in der Dämmerung
Es war fast romantisch hier.

Sie stieg langsam aus, 

Er schloss den Wagen
vielleicht waren es gerade so mal 
100 Meter bis zum Laden. 

Doch während sie dort liefen, 

Da stimmte plötzlich etwas nicht - 
Wie ein Hund, der einen nach vorn zieht
So hielt sie ihn zurück. 

Er drehte sich um 

Und wollte Sie fragen was sie denn habe
Da traute er mit einem Mal seinen Augen nicht mehr, 
Das war ihm noch nicht untergekommen, auf seine Tage

Ihre Haare wurden nicht nur nass, 

Und ihre Schminke verlief, 
Es war viel mehr, was da passierte
Ihr ganzes Gesicht entglitt ihr, 
Ihre Züge wurden schief.

Ihre Hand in seiner Hand, 

Begann sich wie von selbst zu lösen, 
Haar um Haar wehte davon.
Er wusste gar nicht, wie er ihr helfen könnte, 
War ganz starr, wer erwartet sowas schon?

Auch wenn man manchmal auf

Ungewöhnlichkeiten stößt,
Vor diesem Mann hatte sich gerade
Ein süßes Mädchen im Wasser aufgelöst.

Er rannte in den Laden,
Doch wusste gar nicht, was er sagen soll.
Er tropfte ohne es zu merken,
Links und rechts die Ware voll.

"Brauchst du ein Zimmer?
Oder willst du ein paar Kippen kaufen?
Sonst kannst du mit den triefenden Klamotten,
Auch getrost nach Hause laufen."

"Nein! Ruf die Polizei!
Damit das Mädchen draußen gefunden werden kann!"
"Das Mädchen?" fragte dann der Wirt,
"Du kamst alleine hier an, Mann."

Auf diese Aussage wusste der Junge
Erstmal keine Antwort
Er blickte nach draußen und in den Regen,
Wo sie eben stand, dort.

..
Stand sie dort?
Hielt er wirklich eben ihre Hand?
Er blickte zwischen Wirt und Tür so hin und her
Und zweifelte an seinem Verstand.

Letztendlich setzte er sich an einen Tisch,
Wickelte sich in eine Decke,
Bestellte sich ein Bier
'the Police' lief aus einer Box in einer Ecke.

Viel später, die Augen waren ihm
Schon ein paar mal zugefallen.
Da hörte man eine Stimme
Hinter der Theke aus den Lagerhallen.

Es ging um einen Kunden draußen,
Es war nicht unbedingt ein freundlicher Ton,
Da hörte man einen dritten Sprecher
"Ist gut, ich mach das schon!"

Die Tochter des Wirtes
Kam eine Treppe herunter
Klatschte mit ihrem Daddy ab,
Und lächelte den Jungen an - Da war er wieder munter.

Gerade als sie die Tür nach draußen
Öffnete, da rief er "Halt!"
Sie drehte sich um, der Wirt blickte verwirrt in seine Richtung,
"Es.. es stürmt draußen" sagte er hastig, "und es ist bestimmt kalt."

Das Nächste, was sie darauf sagte,
Lief ihm kalt den Rücken runter, denn es passte wie ein Satz aus einem Drucker
Sie winkte ab und meinte dann,
"Ich bin doch nicht aus Zucker."


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